Domschatz: Oberbayern gegen Unterbayern?

Freitag, 12. Januar 2007 |  Autor:

In der gestrigen Sendung „quer“ wurde auch das Thema Bamberger Domschatz behandelt und ein sehr treffender Titel gewählt: Oberbayern gegen Unterbayern?“

Die Reliquienkrone Heinrichs II und die Krone seiner Frau Kunigunde, die zur Zeit der Säkularisation aus dem Bamberger Dom von den Wittelsbachern gestohlen entwendet mitgenommen wurde, liegt nun seit 200 Jahren in der Schatzkammer der Münchner Residenz und nicht im Bamberger Dom, wo er nach einhelliger Meinung hingehört “ und wo er auch nach dem Willen seines Stifters „für ewig“ bleiben sollte.

Die Stimmen aus der Bevölkerung waren eindeutig („Wenn wir was hätten was München gehört, das wäre garantiert schon lange da unten“) und die Bamberger setzen sich auch dafür ein: So sammelt z.B. Ursula Dorn in ihrem Zeitschriftenladen seit 2 Monaten Unterschriften für die Rückführung der Beutekunst nach Franken und hat inzwischen schon über 10.000 Signaturen gesammelt.

Die Münchner brachten in der Gestalt von Johannes Erichsen (Bayerische Schlösserverwaltung) nur „kunsthistorische Bedenken“ vor, da die Stücke „äußerst Fragil“ seien und unbedingt dort bleiben müssten. Eine Bambergerin merkte dazu nur an, dass „der Schatz ja schließlich vor 50 Jahren schon einmal in Bamberg war“ und wenn nun nicht mehr zu transportieren sei, dann „hätten die Münchner ihn wohl falsch aufbewahrt„?

Dem Leiter des Diözesanmuseums in Bamberg, Herrn Luitgar Göller wurde zugesichert, dass der Schatz wenigstens für das eine Jahr an die Regnitz kommt. Heute wollen sie alle nichts mehr davon wissen: „Das Kultusministerium schweigt, die Wittelsbacher Landesstiftung beruft sich auf interne Entscheidungen und das Finanzministerium ist auf einmal nicht mehr zuständig“. Autor Alexander Hilmer meinte Abschließend: Es bleibt uns Franken nur noch der „Sturm auf die Münchner Residenz„!

Kurt Faltlhäuser bot stattdessen eine Videoaufnahme des Schatzes an?!

Ich muss sagen…

…, dass es bestimmt schwierig ist, den Schatz zu transportieren, aber wie ich hier schon einmal bemerkt habe: heutzutage doch nicht mehr! Die Szene als Herr Erichsen vom zarten, zerbrechlichen Gegenstand sprach und hinter ihm dieser goldene Brocken stand wirkte auf mich eher lächerlich. Und das Angebot von Faltlhäuser, ein Video davon zu machen ist einfach eine Frechheit! Das sollten wir (das Volk) auch mal machen, wenn er sein Gehalt will: „Nix gibt“s, aber wir haben hier eine Videoaufnahme von ihrem letzten Gehalt für Sie!!“

Unterschwellige Animosität oder offene Feindschaft zwischen Bayern und Franken, wie Christoph Süß anfangs meinte? Das hat damit nichts zu tun: Denn warum jeder in diesem Lande von der Angelegenheit betroffen ist, ist die Tatsache, dass die Rückführung vom Fraktionsvorstand der CSU im Landtag versprochen wurde (04.06.2004 Wahlkampf?), es massig Unterschriften gibt und trotzdem nichts geschieht! Also kann es nicht weit her sein mit Demokratie in diesem Lande!

Hoffentlich erfahren die Amerikaner das nicht, denn sonst wird hier ruckzuck einmarschiert! 😉

(Hier noch einmal der Download der Unterschriftenliste)

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Thema: Bamberger Domschatz, Franken-Bayern

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8 Kommentare

  1. 1
    Axel 

    Hallo Andy,
    die traurige Liste geraubter fränkischer Kulturgüter ginge ja noch viel weiter. Der Schatz in der Wiener Hofburg mt den Reichsinsignien, gerne besuchter Höhepunkt für jeden Wien-Touri, gehört ja in Wirklichkeit auf die Kaiserburg nach Nürnberg.
    Aber so wenig wir wohl die geraubten Schätze aus München bekommen, so wenig wohl auch aus dem Alpenländle…
    Im Schloß Fantaisie in Eckersdorf, meinen Heimatort, mußten wir uns mit einer Kopie des weltberühmten Spindler-Kabinetts abspeisen lassen, weil das Original in München „verwahrt“ werden muß.
    Gruß, Axel

    (Frankenblog: Genau das meine ich, dass das Thema Bamberger Domschatz uns alle betrifft! Reichskleinodien sollten schon lange zurück nach Nürnberg!)

  2. Das muss man sich mal vorstellen, die Reichskleinodien überstanden den Krieg, die Luftangriffe sicher im Nürnberger Kunstbunker und wurden dann von den Amerikanern an ßsterreich übergeben. In völliger Unkenntnis der Geschichtslage wurde eine Fehlentscheidung getroffen, die nie mehr rückgängig gemacht werden kann, leider!

    Aber das mit dem Domschatz ist eine andere Geschichte, zwar auch eine sehr traurige, aber warten wir mal ab, was der hoffentlich neue Ministerpräsident nach Stoiber entscheiden wird. Es gibt vielleicht doch noch Hoffnung? Und der Heilige Veit von Staffelstein könnte etwas bewirken, er lässt seine Franken bestimmt nicht im Stich.

    Aber was anderes, wo bleibt dein Kommentar bei „quer“ Andy ? Hast Du keinen Biss mehr, oder sind dir die Zähne ausgefallen? Da wo du mehr Leser erreichen kannst als in deinem Bloglein, da hört und sieht man nichts von dir, also nimm den Griffel in die Hand Junge, wir Franken warten auf dein Statement.

    tschuess

    (Frankenblog: Natürlich hab ich noch Biss, aber es ist Januar, die Zeit der guten Vorsätze: Um abzunehmen muß man weniger essen, äh beissen! 🙂 )

  3. 3
    rob-by 

    Jetzt muss ich als Oberbayer auch mal meinen Senf dazugeben, weil ich mich maßlos ärger. Und zwar nicht über euch, sondern über „meinesgleichen“. Vor allem die Idee vom Faltlhauser, die Bamberger zum Jubiläum mit einem Videoband abzuspeisen, ist ja wohl an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Ich schäm mich wirklich.
    Der Transport ist zu unsicher? Ja, freilich, da kann garantiert viel mehr passieren als z.B. bei einem Atommülltransport per Flieger nach Russland (komisch, das ist aber gegangen, genauso wie man das halbe MoMA aus den Staaten nach Berlin transportieren konnte, aber das ist bestimmt was ganz anderes.)

    Servus

    PS: Ich hoff bloß, dass ihr in Franken wisst, dass wir hier net _alle_ so sind wie der Faltlhauser und seine Gesellen.

    (Frankenblog: Danke für diesen sehr schönen Kommentar! Damit schaffst Du es doch glatt auf meine Liste „Meine 10 Lieblings-Bayern“! Im Augenblick stehen aber nur 3 drauf! 😉 )

  4. 4
    Tyroler 

    Als Nichtfranke und Nichtbayer – sozusagen unbeteiligter Dritter mach ich einen Vorschlag.

    Herr Faltlhauser packt mir den Domschatz in den Kofferaum meines Autos und ich fahr die nach Bamberg. Dort übergebe ich den Domschatz und bekomm einen Teller Nürnberger Bratwürst (bitte ohne Sauerkraut).

    Vorteile:
    – Mein Auto fällt nicht auf. Ein Geldtransporer wohl. Damit spart sich die Staatsregierung Geld (ok Spritgeld sollte schon ersetzt werden)
    – Als Tiroler hab ich kein Interesse an den Domschatz und kann sozusagen auch nicht in Versuchung kommen, diesen weiß Gott wohin zu verbeuten.
    Sozusagen als neutraler Kommissär, braucht keiner dem anderen was vorwerfen
    – Achja, da ich weder Mitglied einer bayrischen Partei noch wahlberechtigt bin, wir die Objektivität erhöht
    – Es gibt dann auch keine Ausreden in München mehr und der häusliche Frieden wäre wieder hergestellt

    (Frankenblog: Etz hätt ich fast geschrieben, daß der Sauerkrautgenuß auch den Vorteil hätte, dass was vernünftiges aus Dir rauskommt! 😉 Aber Du willst ja keines! Aber Senf(t) bekommst – denn den gebe dann ich dazu!
    Schön, dass sich auch Tiroler unseres Problems annehmen! 🙂 )

  5. 5
    Tyroler 

    Na ich weiß nicht ob beim Sauerkraut, was vernünftiges rauskommt – bei mir eher was, was riecht und nach Genfer Konvention verboten ist 🙂
    Weißt schon, was ich meine.

    Klar nehmen wir uns Euch Euer Problem an. Ihr habt ja das gleiche Schicksal wie wir. Euer Land ist ja auch besetzt – so wie unseres 😉

    (Frankenblog: Genau das mit den Körperwinden hab ich auch gemeint! 🙂 )

  6. 6
    Tyroler 

    zum Spruch von blogreiter.

    Vielleicht ist ja der nächste Ministerpräsident von Bayern ein Franke. Und wenn der nicht – naja das müßtet ihr Franken dann entscheiden, was ihr mit einem Franken macht, der nicht das macht was die Franken wollen 😉

    (Frankenblog: Nur leider gibt es von diesen fränkischen Nestbeschmutzern Politikern die in München alles abnicken heute schon zu viele!)

  7. 7
    Joringel 

    Interessante Diskussion!
    Ich muß aber mal nen Einwurf machen: Irgendwie sehe ich immer wieder diesen Denkansatz „Vielleicht ist ja der nächste Ministerpräsident von Bayern ein Franke“. Damit wirklich etwas ändern zu wollen kann nicht funktionieren. Diese Aussage ist paradox und würde letztlich alles nur umdrehen. Ich bin eher dafür, daß ein Franke Ministerpräsident von Franken eben ein Franke und der von Bayern eben ein Bayer ist. Aber solange – v.a. nur innerhalb der CSU – nur im Maximilianeum taktiert wird, ändert sich nicht wirklich was. Die einzige Chance besteht in einer Abspaltung. So stehen sich zwei Bundesländer gegenüber; jetzt ist es nur ein besetztes Gebiet, das vom Besatzer sein Eigentum wieder möchte. Hart ausgedrückt, aber letztlich ist es so. Wieviele nicht korrumpierbare fränkische Politiker sind im bayerischen Landtag nötig, um was in Gang zu bringen? Mehr als ich mir vorstellen kann, und dazu wird es sowieso nicht kommen. Zumindest halte ich das für sehr unwahrscheinlich.
    Deshalb: Nicht ständig mit kleinen Quengeleien wie Unterschriftenaktionen was bewirken wollen, sondern die Eigenständigkeit auf Bundeslandebene vorantreiben.
    Danke außerdem für diese Seite 🙂

    Gruß vä an dief ausm wold im Noddn und / ouä Fadd

    Joringel

  8. 8
    andy 

    @ Joringel: „Danke außerdem für diese Seite“ Oh bitte gerne! *rot-werd*

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