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Das Positive am Dürer-Gate: Die Franken wachen auf!

Donnerstag, 1. März 2012 | Autor:

Man kann nur jeden beglückwünschen, der in den letzten Wochen aufmerksam die Zeitung gelesen hat! Denn selbst einem „nicht-militanten“ Franken dürfte da klar geworden sein, dass wir Franken sog. „Unterbayern“ sind und an der Isar möglichst nichts an diesem Zustand geändert werden soll: Die Frechheiten bei der Dürer-Ausleihe waren da am deutlichsten, als sich die ach so renomierte Alte Pinaktothek zu Falschaussagen und der Verleumdung des GMN erdreistete, die extremen Schäden am Gemälde hätten die Franken 1971 verursacht. Dass diese Risse und Farbverluste seit ca. 1934 bestehen und somit 41 Jahre vor der heutigen Transporttechnik in den 70ern kein Ausleih-Problem darstellten – und vor allem die Schäden NICHT vergrößerten, dürfte erneut Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Münchner Spezialisten hervorrufen. Das „Entgegenkommen“ der Pinakothek, dass jeder GMN-Besucher umsonst ins bairische Kunsthaus kann, darf ruhig als gezielte Ohrfeige für Frankens Dürer-Freunde und als reines „Besucherweglocken“ verstanden werden.

Also darf das Selbstbildnis nicht in die angestammte Heimat kommen und reiht sich damit in die seit Jahrhunderten „versteckten“ fränkischen Kunstschätze ein, die auch dazu beitragen, dass die Isarmetropole die leuchtende Kulturstadt geworden ist, die sie heute gerne unterstreicht.

Auch in Bamberg zeigt man sich enttäuscht, dass die Heinrichskrone des Bamberger Domschatzes ebenfalls nicht wandern darf. Man durfte sich aber aus eigenen Mitteln eine Kopie fertigen, weshalb nun eine „Süddeutsche“ Zeitung völlig uncodiert vom „depperten Franken“ schreiben und sich lustig machen darf.

Inzwischen aber wächst der ohnehin schon beeindruckende Kulturstatus der Landeshauptstadt weiter, sodass ein 4. Konzertsaal aber sowas von nötig geworden ist und wohl auch finanziert und gebaut werden wird. Dass man auf der anderen Seite des Weißwurstäquators (= Donau) solch Bauten weitaus nötiger hätte, wird geschickt übergangen und abermals belächelt.

Aber nicht nur bei den Kunstschätzen regen wir zu Hohn und Spott an: Nicht nur die Frankenpartei fordert seit langem schon einen Tatort aus Franken, um sich gleichberechtigt als ein Teil von Deutschland präsentieren zu können. Doch München bleibt bei nein, weil das was bei allen anderen Tatort Sendeanstalten geht (teilweise sogar drei Tatort-Städte) in Bayern eben nicht möglich ist. Das Argument, dass aus Franken ein nicht unbeachtlicher Teil der Rundfunkgebühren stammt, sei an dieser Stelle zu x-ten Mal angeführt.

Um beim Fernsehen zu bleiben: Vor kurzem spielte das deutsche Davis-Cup-Team in Bamberg gegen Argentinien, doch keiner hat es mitbekommen, weil der BR als ansässiger Sender nicht übertragen wollte. Gut, man kann jetzt sagen, dass die grossen Zeiten der Tennisübertagungen seit Becker und Stich vorbei sind, aber warum wurde dann 2009 der Davis-Cup aus Garmisch übertragen? Sport ist nunmal auch ein Teil von Kultur, und schon wird es einem klar, worum es geht.

Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, gilt natürlich nicht nur für diese weichen Standortfaktoren, sondern auch für wichtige Infrastrukturprojekte, wie z.B. der Elektrifizierung der Bahnstrecke Nürnberg-Bayreuth-Hof bzw. Nürnberg-Cheb (Eger). Denn bei beiden Strecken reicht der Fahrdraht bis an die Grenzen Bayerns heran, Sachsen sowie auch Tschechien sind in Vorleistung getreten, nur Bayern ist bisher seinem Teil der Abmachungen nicht nachgekommen. Lieber wäre man für die Elektrifizierung der Strecke Hof-Regensburg, was die Regionen um Bayreuth, Nürnberg usw. langfristig vom Fernverkehrsnetz abkoppelt und in Sachen Güterverkehr den Rangierbahnhof Nürnberg schwächen würde. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Doch nichts ist so hoffnungslos, dass wir nicht Grund zu neuer Hoffnung fänden, sagte schon Niccolò Machiavelli. Und so ist es auch diesmal: Denn diese frechen Aktionen schaffen es immer mehr Franken wachzurütteln! War es am Anfang nur der Fränkische Bund e.V. der auf Mißstände hinwies, so ist 2009 mit der Partei für Franken eine Kraft entstanden, die diese Fehler auch anpacken kann. Zudem mehren sich heutzutage auch Zeitungen, welche diese brisanten Themen ansprechen und durchaus kritisch berichten. Die „neue“ Abendzeitung Nürnberg ist sogar völlig auf den Zug „München gegen Nürnberg“ aufgesprungen, weil sie merken, dass das die Leser interessiert! Und sieht man sich Presseübergreifend die Leserbriefe an, so sieht man auch hier, dass die Franken endlich aufstehen.

Zeit wirds!

Thema: Franken-Bayern | 4 Kommentare

Dürer-Skandal: Vom Mittelalter bis Wikipedia

Dienstag, 31. Januar 2012 | Autor:

Duerer01Manchmal sieht man diese Gauner-Filme im Kino und glaubt, dass es sowas ja nicht wirklich gibt. Doch wenn man dann feststellt, dass sich ebensolches in Echt und vor aller Augen abspielt, dann bleibt einem die Spucke weg. So lässt sich das erklären, was sich derzeit (wieder mal) zwischen Nürnberg und München abspielt:

Zum „Jahr der Kunst“ hat Nürnberg das „Dürerjahr 2012“ ausgerufen und das Germanische Nationalmuseum (GNM) beteiligt sich mit der Ausstellung „Der frühe Dürer„. Zu diesem Zwecke fragte man bei der Alten Pinakothek in München an, ob das „Selbstbildnis im Pelzrock“ (siehe Bild links „Albrecht Dürer, durch Wikimedia Commons„) ausgeliehen werden könnte. Warum? Nun, das Bild hing bis 1799 immer im Nürnberger Rathaus und wurde von dort auch nie weggegeben, also nicht wissentlich für längere Zeit – und trotzdem gilt es heute als die „Mona Lisa“ der Alten Pinakothek. Natürlich, möchte man fast schon sagen, verweigert München die Freigabe, schließlich könnten sich ja ein paar Kulturliebhaber nach Franken verirren und der leuchtenden Landeshauptstadt den Rücken kehren. Als Argument wird wieder einmal die eingeschränkte Transportfähigkeit angegeben, die wir auch hier im Frankenblog noch zu gut kennen (Bamberger Domschatz, hier). Und hier beginnt unser Gaunerspiel, das sogar heute noch zum Spurenverwischen anregt:

Albrecht Dürer (1471-1528) malte das Selbstbildnis um 1500 und versah es mit einer Inschrift: „So malte ich, Albrecht Dürer aus Nürnberg, mich selbst mit unvergänglichen Farben im Alter von 28 Jahren.“ Von nun an (1577 schriftlich erwähnt) hing das Gemälde im Nürnberger Rathaus, bis 1799 ein gewisser Maler und Kupferstecher Abraham Wolfgang Küfner aus Betzenstein (Franken-Wiki) den Auftrag erhielt, das „Selbstbildnis mit Pelzrock“ zu restaurieren. Zur Sicherheit und in kluger Voraussicht versah man die Rückseite des Bildes mit Stempeln und Siegeln, um sicher zu gehen, dass das Original auch wieder an die Pegnitz zurückkehren möge.

Doch leider erwies sich Küfner als gewiefter Kunstfälscher! Er spaltete die 15 Millimeter dicke Lindenholztafel der Länge nach und malte auf der Holzhälfte mit den Stempeln eine Kopie des Selbstbildnisses, welche er als angeblich restauriertes Original an die Stadt Nürnberg zurückgab. Das Dürer-Original auf der Vorderseite verkaufte Küfner 1805 an den Kurfürsten Maximilian Joseph von Bayern – wurde dafür aber nie verurteilt und bestraft, obwohl solch gemeine Kunstfälschung schon damals verboten war!

Als der Betrug ans Licht kam, war Nürnberg schon durch Napoleons Gnaden 1806 vom Königreich Bayern besetzt worden und hatte eh nix mehr zu sagen.

Das blieb bis heute so. Trotz Diebstahl, Hehlerei, oder wie man das sonst noch nennen will, ist keinerlei Einsicht auf Seiten der Münchner zu erkennen. Im Gegenteil: Aus dem „Selbstbildnis im Pelzrock“ ist nun das „Münchner Selbstbildnis“ geworden (siehe Wikipedia hier).

Das Ganze ist zudem verwunderlich, denn eigentlich dürfte die Wittelsbacher Stiftung für das Gemälde gar nicht zuständig sein, denn sie ist Eigentümerin von Kunstgegenständen, die bis 1804 in den Besitz der Wittelsbacher gekommen sind! Doch man blockiert an der Isar weiter: In der Presse ist auch schon durchgesickert, dass es sich bei der eingeschränkten Transportfähigkeit um einen vorgeschobenen Grund handelt:

Denn laut Eingeweihten sind es keine sachlichen Gründe wie etwa der Zustand des Gemäldes, die gegen einen Transport sprechen. „Man will hier keinen Präzedenzfall schaffen“, heißt es unter Kennern des Münchner Kulturapparates. Sprich: Der Dürer soll nicht nach Nürnberg, um vergleichbaren Wünschen aus Franken ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben.“ (MainPost)

Spurenverwischen auf Wikipedia

Um der ganzen Gaunerei die Krone aufzusetzen: Nachdem die Presse zu Jahresbeginn das Thema aufgegriffen hat und natürlich unweigerlich auf die ursprünglichen Besitzverhältnisse  zu sprechen kam, wurde doch prompt der Wikipedia-Eintrag von Abraham Wolfgang Küfner extrem geändert! So wurde die gesamte Beschreibung des Fälschungsvorgangs entfernt, aus dem Restaurationsauftrag wurde ein „Auftrag eine Kopie zu erstellen“ und die Hehlerei fand niemals statt! Denn böse, böse französische Truppen hatten damals die Bilder (Kopie und Original) vertauscht und schließlich war Galeriedirektor Christian von Mannlich aus München (natürlich) viel schlauer als alle anderen und erkannte, das die Kopie das Original ist um diese dann käuflich und somit „völlig rechtens“ zu erstehen. Welch geschickter Schachzug! Wie dumm doch alle außer München sind!

Erstaunlich bei den Wikipedia-Änderungen ist nur, dass neben den Fälscherei-Angaben auch die Links zu den Quellen gelöscht wurden. Dabei hätte man dadurch erkennen müssen, das es wohl eben doch der Wahrheit entspricht? Wie auch bei kunstmarkt.com, bei zehn.de und bei oelbilder-oelmalerei.de beschrieben. Auch ist „Abraham Wolfgang Küfner“ nicht mehr in der Kategorie „Kunstfälscher“ eingetragen – jetzt ist er ein „ehrbarer Künstler“!

Wer sich das mal ansehen will:

  • Diesen Link hier klicken: Kunstfälscher Abraham Wolfgang Küfner
  • Rechts oben „Anmelden / Benutzerkonto erstellen
  • Danach sieht man über jedem Beitrag verschiedene Karteihalter, u.a. „Versionen/Autoren
  • Nun den blauen Punkt bei 23. Nov. 2010 setzen und dann oben „Gewählte Versionen vergleichen
  • Jetzt sieht man eine Tabelle, links hinter einem Minus-Zeichen die entfernten Passagen, rechts mit einem Plus versehen, die zugefügten Änderungen!

In der Zwischenzeit macht sich die große Medienwelt über die dummen Franken lustig! Da wird aus einer unverständlichen Blockadehaltung Münchens ein „Irrer Gemälde-Streit“ und der Alten Pinakothek wird Recht gegeben: Das Selbstbildnis ist transportunfähig, obwohl zu der Ausstellung Exponate aus London (British Museum), Florenz (Uffizien), Wien (Albertina), Washington (National Gallery) und Berlin (Staatliche Museen) kommen. Vielleicht sind die auch nur alle nicht so alt wie das „Münchner Selbstbildnis“? Bestimmt hat Dürer das mit 28 gemalt und alle anderen mit 90 Jahren, sodass diese Leihgaben also viiiiiel jünger sind! 😉

Es ist wie immer: Die große Stadt schüttelt den Kopf, wie kleinbürgerlich diese Franken sind, wenn sie auf ihr Recht pochen!

Lesen Sie passend dazu die Pressemitteilung der Partei für Franken: „Selbstbildnis im Pelzrock – Ein dreistes Schurkenstück Bayerisch-Fränkischer Kriminalgeschichte?

sowie Franken sind keine Baiern (hier)

Thema: Nürnberg-München | 9 Kommentare